𝙌𝙪𝙚𝙧𝙚𝙞𝙣𝙨𝙩𝙚𝙞𝙜𝙚𝙧 sind in deutschen Unternehmen nicht sehr begehrt. Bei der Personalsuche sind Unternehmen immer noch viel zu sehr auf Stringenz im Lebenslauf fixiert. Der ideale Kandidat soll aus der Branche kommen, den angestrebten Beruf bereits im Vorgängerunternehmen erfolgreich ausgeübt haben und auch nichts anderes kennen. Die Fixierung auf biografische Stereotypen, und nicht auf 𝙁ä𝙝𝙞𝙜𝙠𝙚𝙞𝙩𝙚𝙣, 𝙋𝙤𝙩𝙚𝙣𝙯𝙞𝙖𝙡𝙚 𝙪𝙣𝙙 𝙀𝙧𝙛𝙖𝙝𝙧𝙪𝙣𝙜𝙚𝙣, ist typisch und sehr verbreitet. 𝙃𝙤𝙢𝙤𝙨𝙤𝙯𝙞𝙖𝙡𝙚 𝙍𝙚𝙥𝙧𝙤𝙙𝙪𝙠𝙩𝙞𝙤𝙣 nennen Sozialwissenschaftler das Phänomen. Gemeint ist, dass Menschen ihresgleichen einstellen. Sie vervielfältigen vorhandenes Wissen und Erfahrung, anstatt neues und ergänzendes Wissen ins Unternehmen zu holen. Brauchen Unternehmen wirklich mehr vom gleichen?
Was spricht für Quereinsteiger aus Unternehmenssicht?
– Mehr Erfahrungsvielfallt
– Ergänzendes Wissen
– Mehr Optionen in der Lösungsfindung
– Eine größere Auswahl an geeigneten Bewerbern
Erfahrungsvielfalt ist ein wichtiger Erfolgsfaktor und wirkt sich unmittelbar auf den Unternehmenserfolg aus – so die Studienlage.
HR-Experten kritisieren die „homosoziale Reproduktion“. Gerade in diesen Zeiten ist Vielfalt, also Diversität, entscheidend.
Im Auswahlprozess achten Entscheider vor allem auf Konformität – und nicht auf die Ausnahme, das Andersdenken und die Varianz.
Auch Algorithmen und KI-Tools sind keine Hilfe. Sie werden mit den Daten derer gefüttert, die man in der Vergangenheit eingestellt hatte. So selektieren KI-gesteuerte Recruiting-Programme Kopien der Kandidaten, die in früheren Bewerbungsprozessen eingestellt wurden – und eben genau nicht die, die ein Unternehmen in Zukunft dringend braucht.
Der Lebenslauf ist eine Auflistung vergangener Stationen und Tätigkeiten. Interessant ist aber doch, was ein Bewerber bisher geleistet hat, unter welchen Umständen die Leistung erbracht wurde, wie er mit Rückschlägen und Erfolgen umgegangen ist, und welche Erkenntnisse er daraus gewonnen hat. Wie reflektiert ein Kandidat ist, was seine Motivation ist, und welche Kommunikationskompetenzen mitgebracht werden, lässt sich aus einem Lebenslauf nicht ablesen. Das ernsthafte Interesse am Menschen sowie das persönliche Gespräch sind für ein echtes Kennenlernen und eine fundierte Personalentscheidung unverzichtbar! All das erfordert eine professionelle und intensive Auseinandersetzung mit Bewerbern. Und das lohnt sich. Schließlich ist der Mensch die wichtigste und kostbarste Ressource in einem Unternehmen.
Was sagt die Bewerbung eines Quereinsteigers über die Person aus?
– Sie ist bereit, die persönliche Komfortzone zu verlassen und neue Wege zu gehen
– Sie hat keine Angst vor Veränderungen
– Sie hat Lernbereitschaft
– Vor allem aber echtes Interesse an der neuen Aufgabe und dem Unternehmen.
